Wo ist die Zeit geblieben?

+++ Eilmeldung: In der Nacht vom 25. auf den 26. März ist den Organisatoren der gemäßigten Zeitzonen ein wichtiges Stundenprotokoll abhanden gekommen! Die Lücke im Protokoll ist nicht mehr zu schließen. In den kommenden Wochen ist mit gravierenden Folgen zu rechnen. +++

 

Man sagt „Kommt Zeit, kommt Rat“, doch die Folgen der nun anbrechenden „Sommerzeit“, wie die zurückligende Katastrophe von Experten und Forschern bereits getauft wurde, sind gravierend. Das gestohlene Stundenprotokoll hat geradezu ein schwarzes Loch in den mitteleuropäische Zeitverlauf geschlagen und versetzt jeden hart arbeitenden Schüler, Studenten, Beamten und freien Arbeiter in Angst und Schrecken.

„Die geschundene Zeit ist nicht mehr aufzuholen – In den kommenden Wochen werden wir der Zeit unaufhaltsam hinterherhinken.“

Um den Schock und die Hilflosigkeit seitens der mitteleuropäischen Bevölkerung aufzufangen, haben wir den weltweit einzigen Forscher zu „Zeitmysterien in und zwischen dem Phantasie-Echtzeit-Kontinuum“ eingeladen: Dr. Prof. Märzhase aus Wunderland.

Märzhase

 

Interviewer: Guten Tag Herr Märzhase, wir bedanken uns für Ihre Zeit und sind gespannt wie Sie die aktuelle Lage nach der Katastrophe „Sommerzeit“ einschätzen.

Dr. Prof. Märzhase: Guten Tag, ich bedanke mich für die Einladung  und möchte betonen, dass angesichts der ernsten Lage nun nicht länger auf Zeit gespielt werden darf! Stellen Sie bitte Ihre Fragen, denn… (Blick auf seine unverhältnismäßig große Uhr) Sie sind breits zu spät!

Interviewer: (Nickend schlägt er seine Notizen zurecht) Um den ersten Schock und das Gefühl der dumpfen Lähmung nach der Katastrophe zu bekämpfen, ist es hilfreich zu verstehen und nachvollziehen zu können, wie es zu der Tragödie kam. Können Sie das Phänomen „Sommerzeit“ erklären?

Dr. Prof. Märzhase: Nun… zunächst ist es von höchster Wichtigkeit, dass Sie ihre Fragen in präzisester Fülle und ausgepfeilter Kürze stellen! Die Zeit rinnt uns durch die Finger (setzt sich auf und hebt seine tickende Uhr in die Höhe) und das erst recht seit Beginn der dramatisch laut tickenden „Sommerzeit“!

(Räuspernd rückt er sich nun wieder in seinem Stuhl zurecht und schlägt seine übergroßen Hasenpfoten übereinander)

Zunächst ist hier klarzustellen, dass es sich nicht um einen gemeinen Diebstahl des Stundenprotokolles handelt, sondern die aktuelle Situation vielmehr auf ein astrologisches Ereignis zurückzuführen ist. Zu erklären ist das Phänomen durch das „Coloured Hole“ zwischen Wunderland und ihrer ach so grauen Welt (verzieht sein Hasennäschen). Jedes Jahr wird, durch ein Ungeleichgewicht zwischen den beiden Welten, ein wenig Materie von Wunderland in die Erdenwelt gesogen. Dies passiert meist gegen März und ist auf der Erde durch schlagartige Veränderungen zu spüren. Diese Veränderungen haben zu Folge, dass die Herzen der Erdenbewohner beginnen schneller und wilder zu schlagen, wodurch sie plötzlich spüren und fühlen, was sonst nur in Wunderland lebbar ist.
Durch den schlagartigen Austausch der Materie entsteht letztendlich eine massive Disharmonie im Phanatsie-Echtzeit-Kontinuum, wodurch schließlich die Erdenzeit für eine Stunde nach vorne katapultiert wird.

Interviewer: (Beugt sich interessiert nach vorne) Was sind diese schlagartigen Veränderungen auf der Erde?

Dr. Prof. Märzhase: Sie alle verspüren ein schlagartiges Kribbeln im Körper, ihre Wahrnehmung gewinnt an Farbe, plötzlich scheint die Sonne durch die grau-blau feste Feinstaubkuppe und die Tiere werden zu neuem Leben erweckt.

Interviewer: (Schnippst begeistert mit den Fingern) Ach Sie sprechen vom Frühling!

Dr. Prof. Märzhase: (Zieht die Pfoten empört vorm Brustkorb zusammeün) Ich sage was ich sage! Für solche vorlauten Äußerungen habe ich keine Zeit (Schlägt bestimmt mit seinem Hasenfuß auf den Boden und deutet in Richtung seiner Uhr).

Interviewer: (Reagiert rasch und dennoch verunsichert) Nun, Sie haben uns also erklärt, dass die „Sommerzeit“ auf ein sogenanntes „Coloured Hole“ zurückzuführen ist. Hierdurch kommt es jährlich zu einem schlagartigen Austausch von Materie und damit zu einer massiven Disharmonie im Phanatsie-Echtzeit-Kontinuum…

Dr. Prof. Märzhase: Nun fassen Sie doch nicht alles zusammen! Die Zeit rinnt Ihnen durch die Finger! Merken Sie das nicht?!

Wissen Sie, genau da liegt das Problem (wohlwollend legt er seine Fotenspitzen zusammen und formt sie in Gedanken versunken zu einer Raute). Die Erdenbewohner sind mit der Zeitgeschwindgkeit, Farbenvielfalt und veränderten Luftzusammensetzung aus Wunderland nicht vertraut. Ihr Organismus ist nicht eingestellt auf das schnelle Rauschen der Wunderland-Zeit. Aus diesem Grund sind sie mit so voller Wucht von der „Sommerzeit“ getroffen. Sie rennen der Zeit förmlich hinerher. Zeit darf einem jedoch nicht verfliegen. Sie ist kostbar, wertvoll und ein zartes Gut des Lebens (beugt bedeutungsvoll den Kopf nach vorne und fixiert den Interviewer mit einem eindringlichen Blick).

Inteviewer: (Löst sich aus seiner irritierten Haltung, schließt den geöffneten Mund und wühlt in seinen Notizen) Haben wir denn Einfluss auf den Zeitverlauf? Sind wir den astrologischen Geschehnissen und den damit zusammenhängenden Folgen nicht hilflos ausgeliefert?

Dr. Prof. Märzhase: Die Zeit ist keine Übermacht. Sie gibt Ihren Tagen zwar Struktur und ermöglicht es Ihnen mit anderen Menschen zur selben Zeit zusammen zu kommen, doch man kann sich Zeit tatsächlich nehmen. Man rennt ihr nicht hinterher oder verspielt sie – Sie sind aktiver Part innerhalb des Zeitmanagements und haben die Fähigkeit sie zu Ihren Gunsten und Bedürfnissen zu nutzen.

Interviewer: Was würden Sie der Bevölkerung also nun angesichts des sommerzeitlichen Engpasses raten?

Dr. Prof. Märzhase: (Springt bestimmt aus seinem Stuhl auf und nickt dem Interviewer bestätigend zu) Nehmen Sie sich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge! Manchmal lohnt es sich nur 20% der Ressourcen zu investieren und die restlichen 80% für die Dinge zu nutzen, die einem wirklich am Herzen liegen. Wo und wie dabei die Prioritäten liegen, das ist natürlich ganz individuell.

(Hebt seine unverhältnismäßig große Uhr in die Höhe, blickt auf den Minutenzeiger und verzieht schlagartig das Gesicht)

Meine Zeit für dieses Gespräch ist abgelaufen! Ich bin bereits zu spät! (hoppelnd eilt er in Richtung Ausgang und zetert vor sich her) Wie konnte ich mich nur so lange festhalten lassen!? – Immer wieder habe ich betont, die Zeit rinnt uns durch die Finger…

 

Unsere Lebenszeit ist nicht unendlich,
Schöne Momente im Leben sind nicht selbstverständlich.
Zeit für Wünsche und Träume muss man sich nehmen,
Den Raum für Freude, Glück und Leichtigkeit geben.

Beginne deshalb auszubalancieren,
Wo und in wen du willst deine Zeit investieren.

 

Zeichnung_Märzhase

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One thought on “Wo ist die Zeit geblieben?

  1. Weise Worte Cousinchen!
    Du hast mich gerade in kürzester Zeit überzeugt, heute früher Feierabend zu machen und meine Zeit 100x sinnvoller zu gestalten, als mir das auf der Arbeit möglich ist!! 🙂

    Gefällt mir

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